Erst Check – und dann weg. Technische Reisevorbereitungen fürs Wohnmobil

Erst Check – und dann weg. Technische Reisevorbereitungen fürs Wohnmobil - Stellplatz.Info

Wohnmobile gehören bei den meisten Besitzern zu den Fahrzeugen, die eher selten bewegt werden. Klar, mit dem Auto fährt man jeden Tag zur Arbeit aber ein Wohnmobil holt man bestimmungsgemäß nur für eine Reise aus der Garage. Doch leider ist es so, dass durch die teilweise langen Standzeiten technische Probleme entstehen können – die zudem durch das seltene Fahren auch noch unerkannt bleiben. Aus diesem Grund bedarf das Wohnmobil – etwas – mehr Pflege als ein Wagen, den man täglich bewegt.

Check 1: Reifen

Bei den Pneus besteht die vielleicht dramatischste Diskrepanz zum normalen Auto. Denn beim Alltags-PKW kann man als Fahrer nach der Regel verfahren, dass die Reifen noch so lange gut sind, wie das Profil ausreicht – also 1,6mm sowohl bei Sommer- als auch Winterreifen. Bevor ein Autoreifen eine gefährliche Altersgrenze erreicht hat, ist er in aller Regel abgefahren und wird sowieso erneuert.

Anders beim Wohnmobil. Durch die vergleichsweise geringe Jahreskilometerzahl ist es hier viel wahrscheinlicher, dass die Altersgrenze erreicht ist, bevor das Profil abgefahren ist – ausgetauscht werden müssen sie aus Sicherheitsgründen dann dennoch.

Um herauszufinden, wie alt die Reifen sind, braucht es nur einen Blick auf die Reifenflanken. Dort findet sich eine vierstellige Zahl, die sogenannte DOT-Nummer. Um das an einem praktischen Beispiel zu demonstrieren. Die DOT-Nummer lautet 3315

  • 33 steht für die Herstellungswoche
  • 15 für das Herstellungsjahr

Der Reifen wurde also Mitte August 2015 hergestellt und ist demnach, sofern er keine sichtbaren Schäden aufweist, noch voll reisetauglich. Das Problem ist, dass keine gesetzlichen Regeln für ein Maximalalter vorliegen – der ADAC empfiehlt deshalb, nach maximal sechs Jahren auszutauschen.

Und um sogenannte „Standplattfüße“ vorzubeugen sollte man vor dem Einlagern auch den Luftdruck um 0,5 Bar über der Wohnmobil-Herstellerangabe erhöhen und sämtliche Stützen ausfahren, damit die Pneus entlastet werden.

Wichtig: Zum Wohnmobil gehört auch das Ersatzrad

Check 2: Öl

Auch Öl gehört zu den „Teilen“ eines Fahrzeugs, die entweder durch Abnutzung oder Alterung erneuert werden müssen – wie bei den Reifen gilt beim Wohnmobil auch hier letzteres eher als die Regel. Normalerweise schreiben die Hersteller hier einen Ölwechsel pro Jahr oder alle 15-20.000 Kilometer vor. 

Wichtig ist dabei, dass dies keine Entweder-oder-Option ist – je nachdem, was zuerst eintrifft, sollte das Öl gewechselt werden. Wer vor der Wohnmobilsaison einen alljährlichen Austausch vornehmen lässt, muss keine Probleme erwarten – umgekehrt kann zu altes Öl eine Menge Ärger verursachen, denn es schmiert nicht mehr richtig und kann so einen noch jungen Motor irreparabel demolieren. 

Um das zu verhindern, gehört auch der Ölstands-Check dazu – und zwar vor jeder einzelnen Fahrt bzw. bei längeren Trips bei jedem Tankstopp. Dazu:

  1. Motor mindestens zehn Kilometer weit warmfahren
  2. WoMo auf einer ebenen Fläche abstellen, Haube entriegeln
  3. Den Ölmessstab (gelber oder roter Griff) rausziehen und mit einem Papiertuch abwischen
  4. Wieder reinstecken, einen Augenblick warten und neu herausziehen
  5. Liegt der Ölfilm zwischen „Min“ und „Max“ ist alles bestens, der Trip kann beginnen

Ist jedoch zu wenig Öl drin, muss nachgefüllt werden – und zwar in 0,1-Liter-Schritten. Nach jedem Schritt muss nach einigen Minuten erneut geprüft werden, um zu verhindern, dass der Motor überfüllt wird – was genau so schlimm wäre wie zu wenig Öl. 

Check 3: Licht und Leuchten

Je nachdem, wohin einen die Wohnmobil-Reise führt, bewegt man sich leicht dutzende Kilometer von jeglichen Tankstellen oder ähnlichen automobilen Stützpunkten entfernt durch die Landschaft. Genau in solchen Situationen neigen jedoch, ganz nach Murphy’s Gesetz, insbesondere Glühlampen dazu, natürlich in der Dunkelheit, den Geist aufzugeben. Was bei einer einzelnen Rücklichtbirne noch mehr oder weniger problemlos durchgehen mag, wird jedoch bei den Abblendlichtbirnen oder denen des Innenraums zu einem echten Problem. 

Nicht zuletzt unter der Prämisse, dass unter anderem in Bosnien-Herzegowina und Kroatien eine Mitführpflicht für Ersatzglühlampen besteht, sollte deshalb in jedem Wohnmobil:

  • 2 komplette Sets Abblendlichtbirnen
  • 1 Reserve Nebelscheinwerferbirne
  • 2 Bremslichtbirnen
  • 2 Rücklichtbirnen
  • 1 Rückfahrlichtbirne
  • 1 Nebelschlussleuchtenbirne

mitgeführt werden – zuzüglich einer Ersatzbirne pro Leuchte im Wohnbereich des Innenraums. Zudem sollte sich der gute Wohnmobilpilot zuvor auch entsprechende Reparaturunterlagen ansehen und am besten ausdrucken, wie welche Birne gewechselt wird – nichts ist frustrierender, als nachts am Straßenrand im Lichte einer Taschenlampe auf der Innenseite eines Frontscheinwerfers buchstäblich im Dunkeln zu stochern. 

Check 4: Werkzeug & Pannenhelferlein

Egal ob auf dem Stellplatz in Frankreich oder bei einer Panne auf dem Brennerpass, ohne Werkzeug ist man im Wohnmobil aufgeschmissen. Die Vollständigkeit sollte deshalb vor Beginn der Saison kontrolliert und gegebenenfalls ergänzt werden. Und, ganz wichtig, auch nach dem Benutzen sollte das Werkzeug wieder gereinigt einsortiert werden. Was man immer dabei haben sollte:

  • Multitool („Leatherman“) enthält Zange, Seitenschneider, Messer, Feile usw.
  • Passender Radschlüssel, Wagenheber, Unterlegklötze
  • Schwerer Schlosserhammer (u.a. um festgerostete Räder loszubekommen)
  • Eine Dose WD-40 (schmiert, löst und verdrängt Wasser)
  • LED-Taschenlampe mit Standfuß
  • Verstellbarer Maulschlüssel („Engländer“ bzw. „Franzose“)
  • Satz Schraubenzieher
  • Kleiner Knarrenkasten

So gerüstet können einem weder platte Reifen noch demolierte Scheinwerfer irgendwelche Probleme machen. Allerdings gibt es natürlich immer noch Dinge, die einem das Leben nicht nur im Pannenfall erleichtern, so beispielsweise:

  • Eine Rolle Gewebeklebeband („Panzertape“)
  • Gummihandschuhe
  • Knicklichter (halten ewig und können bei einer Panne als Warnmittel verwendet werden)
  • Zwei 1,5-Liter Einwegflaschen voll Wasser (Zum Nachfüllen von Kühlern, Wischwasser usw.)
  • 5 Küchenhandtücher (Als Knie-Unterlage, zum Händereinigen etc.)

All diese Teile sollte man in einen kleinen Werkzeugkasten packen, den es in Baumärkten für geringe zweistellige Beträge gibt – und zudem so im Wohnmobil verstauen, dass man auch bei vollem Urlaubsgepäck noch drankommt. 

Check 5: Gas

Heizen, kühlen und kochen funktioniert beim Wohnmobil mit Gas – und dessen Flasche einer kurzen Inspektion zu unterziehen, gehört ebenso zu den Reisevorbereitungen vor jedem Trip. Nach zehn Jahren müssen die Flaschen erneut einer Druckprüfung unterzogen werden – das ist nicht eben billig, weshalb die sinnvollere Alternative darin besteht, die Flasche vorher gegen eine neue auszutauschen.

Am günstigsten sind hier meist nach wie vor Baumärkte, bei denen Flaschen und Befüllung oft um mehrere Prozentpunkte billiger sind, als beim Wohnmobilstützpunkt. Dabei spielt es prinzipiell keine Rolle, ob man auf die roten Mietflaschen setzt oder ihre grau lackierten Verwandten, die man kauft. Allerdings sollte beim Material darauf geachtet werden, dass die Flaschen aus Stahl sind, nicht aus Aluminium – letzteres führen manche Campingplätze nicht im Tausch.

Und was zu den Gasflaschen ebenfalls gehört, ist ein Adapter – die Anschlussgewinde deutscher Flaschen passen nicht unbedingt auf die Füllanlagen im Ausland. Wer auf Nummer sicher gehen will, besorgt sich deshalb vor Reiseantritt entsprechende Adapter, bevor er im Nirgendwo mit einer unbefüllbaren, leeren Gasflasche festsitzt.

Bildquelle: fotolia.com © Joseppi

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